Donnerstag, 24. März 2016

Vertrauen

Ich melde mich lieber noch mal, bevor wir gleich zu viert sind u ich dann vielleicht gar nicht mehr zum schreiben komme... 😉
Leider, leider habe ich bisher noch keine Möglichkeit gefunden, Bilder in den Blog hochzuladen ohne dabei nicht nur meine Seele, sondern auch noch alle meine Bilder an Google zu verkaufen 😁 Das will ich nämlich nicht. Falls jemand ne Idee hat... nur her damit. 

Bin inzwischen in Nukus in Karakalpakstan, der unabhängigen Republik am äußeren westlichen Rand von Usbekistan. Von hier aus kann man Expeditionen an den Aralsee unternehmen, was wir morgen auch machen werden. Jedenfalls bis dahin, wo der See mal war... 

Aber ich wollte ja über Vertrauen schreiben... 
Reisen ist mit den Jahren für mich immer mehr zu einer philosophischen Angelegenheit geworden. Klar möcht ich die Welt sehen, Menschen begegnen, Kulturen kennen lernen etc. Aber dabei geht es immer auch um eine Reise zu mir selbst, darum, dass ich mich aufmache, dass ich unterwegs bin. Wohin? 
Zu mir selbst würde ich sagen. 

Vor allem, wenn man ganz alleine reist, bekommt man wirklich gut Gelegenheit sich selbst auf den Grund zu kommen, auch sich selbst zu erfahren. Und auch, es mit sich selbst auszuhalten. 
Da man immer wieder mit Neuem konfrontiert ist, kann man sich selbst immer besser kennenlernen. Das gefällt mir, auch wenn es nicht nur immer eitel Sonnenschein bedeutet. 

So lernt man also immer besser, sich selbst zu vertrauen, weil nicht automatisch ein Umfeld da ist, das einen auffängt. 

Gleichzeitig bekommt man aber auch unglaublich viel Hilfe, von völlig unbekannten Menschen u das ist auch eine ganz besondere Erfahrung, die ich zu Hause viel zu selten mache. Vielleicht auch nur, weil ich mich da nicht darauf einlasse? 

Hier auf dieser Reise ist mir jedenfalls besonders klar geworden, wie sehr diese Art unterwegs zu sein meine Fähigkeit zu vertrauen u auch mein Bedürfnis nach Vertrauen stärkt. 

Wenn z. B. der Taxifahrer, der mich am Flughafen in Buchara abholt, in kleine, verwinkelte, unbeleuchtete Seitengässchen abbiegt u dort gefühlt mehrere Runden dreht bis er endlich an meinem Hotel ankommt. 
Wenn mich der Rezeptionist im Hotel dann durch eben diese Gässchen zu einem Restaurant schickt. Alles verlassen, stockdunkel... 

Und ich dann innerlich spüre: "Das ist möglich. Du darfst dir vertrauen u den Menschen um dich herum. Die Welt ist gut!" Dann ist das ein unheimlich beglückendes Gefühl... 
(Vielleicht ist auch immer noch ein bisschen Adrenalin dabei 😉) 

Und es scheint ein Naturgesetz zu sein: Je mehr ich Vertrauen schenke, desto mehr bekomme ich zurück u desto mehr Vertrauen kommt in mein Leben. 

Wie bei der Liebe... 

Übt Liebe und Vertrauen, es lohnt sich! 

Salam

Dienstag, 22. März 2016

Sinnflut...

Also, nachdem ich gestern fürchten musste, Frostbeulen zu bekommen, schwemmt es mich heute hier fast weg.
Was für eine Herausforderung!
Aber erreicht mich doch gestern dieses Eckart Tolle Zitat:

"life is only difficult when we expect it should not be difficult. If we carry the assumption that life should not be difficult, we are in opposition to life. Once we recognize that life is difficult, it is no longer difficult. Happiness comes with accepting the fact that challenges are an essential part of life. Challenges are here to awaken us."

Very helpful indeed! 

So I take it as it is, sincerely loving what is and making the most of it. 

Since I couldn't get sleep nor hot water in my hotel, I changed places for a start and that feels much better now. How could I forget this cure for the occasional backpacker challenges: 
Rule no. 1
In case of severe blues: change places, get a nice(r) room, good food and even better drinks... (Coffee will do 😉) 

This place really challenges me. 

I'll keep you updated 

Steppenfrost

Draußen heult der Wind über die Steppe u ich sitze leider nicht in einer Jurte, bei knisterndem Feuer, wozu ich große Lust gehabt hätte, sondern auf dem Hotelbett, Füße in eine Decke gewickelt. Bei Temparaturen um den Gefrierpunkt hat man mir dringend von einer Nacht in einer Jurte in der Wüste abgeraten. Zumal man da wohl alleine ist u ganz ohne Strom. Das wäre grad schon ganz arg nach meinem Geschmack, aber dazu bräuchte ich doch ein paar Grad mehr (und vielleicht eine bessere Ausrüstung). Es gibt zwar wohl auch Jurten mit Heizdecken, aber das ist ja wohl lächerlich.

Seit fünf Tagen bin ich in Usbekistan u hatte seither immer wieder Lust zu bloggen, meine Gedanken u Gefühle zu teilen, und das nicht nur auf Facebook.
Jetzt hilft mir das Wetter dabei, denn Sightseeing-Touren machen so keinen Spaß. Außerdem ist Khiwa (Chiva oder Xiva) sehr auf Gruppen ausgerichtet u man findet so gut wie keine Individualreisenden. Was bedeutet, dass man in den Restaurants komisch angeschaut und nur zögerlich bedient wird... Macht mir also gerade keinen Spaß.

Aber ich will nicht jammern, sondern von der tollen Reise, dem interessanten Land u den wunderbaren Menschen berichten.

Schon vor der Abreise wurde mir klar, dass mich schon von Kind an sehr viel mit Zentralasien verbindet und immer eine Sehnsucht dahin ging, so dass es für mich wichtig sein könnte, hier ganz bewusst zu reisen, immer wieder zu spüren, was der Ort mit mir macht u was es in mir berührt, weckt oder vielleicht auch erlöst.

Immer wieder überkommt mich hier eine große Traurigkeit und auch das Gefühl von Einsamkeit, fehlender Zugehörigkeit, für die es allerdings im Äußeren keinen Anlass gibt. Das kommt quasi von innen u ich nehme es dann erst, gehe in mich, atme es raus.
Angst wiederum habe ich hier nie, ich fühle mich bisher völlig sicher hier.

Über diese Region der Erde sind ja im Laufe der Jahrhunderte viele Kriege und viel Verwüstung gezogen (Alexander der Große, Dschingis Khan, Tamerlan, Ulug'Beg um nur ein paar zu nennen) gleichzeitig war es eine pulsierende Lebensader, die Verbindung zwischen Europa u Asien. Daher stand neben der Brutalität wohl auch immer viel Kultur u Weisheit.

Hier in Chiwa war z. B. ein großer Sklavenumschlagsplatz... und zwar bis ins 19. Jahrhundert! Für mich ist es keine Frage, dass diese Geschichte noch mit dem Ort verbunden ist und hier weiter lebt. Auf diesen Spuren wandele ich also.

In den nächsten Tagen will ich also immer mal wieder ein bisschen meine Eindrücke mit euch teilen....