Draußen heult der Wind über die Steppe u ich sitze leider nicht in einer Jurte, bei knisterndem Feuer, wozu ich große Lust gehabt hätte, sondern auf dem Hotelbett, Füße in eine Decke gewickelt. Bei Temparaturen um den Gefrierpunkt hat man mir dringend von einer Nacht in einer Jurte in der Wüste abgeraten. Zumal man da wohl alleine ist u ganz ohne Strom. Das wäre grad schon ganz arg nach meinem Geschmack, aber dazu bräuchte ich doch ein paar Grad mehr (und vielleicht eine bessere Ausrüstung). Es gibt zwar wohl auch Jurten mit Heizdecken, aber das ist ja wohl lächerlich.
Seit fünf Tagen bin ich in Usbekistan u hatte seither immer wieder Lust zu bloggen, meine Gedanken u Gefühle zu teilen, und das nicht nur auf Facebook.
Jetzt hilft mir das Wetter dabei, denn Sightseeing-Touren machen so keinen Spaß. Außerdem ist Khiwa (Chiva oder Xiva) sehr auf Gruppen ausgerichtet u man findet so gut wie keine Individualreisenden. Was bedeutet, dass man in den Restaurants komisch angeschaut und nur zögerlich bedient wird... Macht mir also gerade keinen Spaß.
Aber ich will nicht jammern, sondern von der tollen Reise, dem interessanten Land u den wunderbaren Menschen berichten.
Schon vor der Abreise wurde mir klar, dass mich schon von Kind an sehr viel mit Zentralasien verbindet und immer eine Sehnsucht dahin ging, so dass es für mich wichtig sein könnte, hier ganz bewusst zu reisen, immer wieder zu spüren, was der Ort mit mir macht u was es in mir berührt, weckt oder vielleicht auch erlöst.
Immer wieder überkommt mich hier eine große Traurigkeit und auch das Gefühl von Einsamkeit, fehlender Zugehörigkeit, für die es allerdings im Äußeren keinen Anlass gibt. Das kommt quasi von innen u ich nehme es dann erst, gehe in mich, atme es raus.
Angst wiederum habe ich hier nie, ich fühle mich bisher völlig sicher hier.
Über diese Region der Erde sind ja im Laufe der Jahrhunderte viele Kriege und viel Verwüstung gezogen (Alexander der Große, Dschingis Khan, Tamerlan, Ulug'Beg um nur ein paar zu nennen) gleichzeitig war es eine pulsierende Lebensader, die Verbindung zwischen Europa u Asien. Daher stand neben der Brutalität wohl auch immer viel Kultur u Weisheit.
Hier in Chiwa war z. B. ein großer Sklavenumschlagsplatz... und zwar bis ins 19. Jahrhundert! Für mich ist es keine Frage, dass diese Geschichte noch mit dem Ort verbunden ist und hier weiter lebt. Auf diesen Spuren wandele ich also.
In den nächsten Tagen will ich also immer mal wieder ein bisschen meine Eindrücke mit euch teilen....
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